8. Dezember 2015

Menschen fotografieren - Tipps für Einsteiger


Ich freue mich, dass ich euch heute den ersten Gastbeitrag hier auf Konnexium Kompilation präsentieren kann. Mein Gastautor ist Markus Kuhn von kuhnograph.de.

In seinem Artikel gibt er Fotografen, die in die Menschenfotografie einsteigen möchten, ein paar allgemeine Tipps, wie z.B. welche Location ist geeignet, welche Objektive usw.


 Menschen fotografieren - Tipps für Einsteiger


Juna Lee hat mich vor kurzem gefragt, ob ich für Ihren Blog einen Gastbeitrag verfassen möchte. Meine Antwort kam sofort und war eindeutig: Auf jeden Fall!
Insbesondere soll es dabei um die ersten Schritte in der Menschenfotografie gehen. Egal ob Familien-, Neugeborenen- oder klassische Portraitshootings.




Zu allererst ist es wichtig, sich mit dem Motiv Mensch zu befassen. Was möchte der/die Mensch(en) vor der Kamera für Bilder? Was ist der Anlass? Kenne ich als Fotograf die Person(en) bereits? Findet das Shooting In- oder Outdoor statt?



Aber der Reihe nach. Für mich ist die Fotografie ein Hobby das ich mit Leidenschaft betreibe. Und am liebsten sind mir die Menschen als Motiv. Gründe dafür gibt es viele. Hauptsächlich liebe ich es, aus dem menschlichen Motiv eine ganz besondere Seite „herauszukitzeln“.

Ich persönlich mach das am liebsten mit meinem „Immer-drauf-Objektiv“. Meiner Meinung nach ist eine Festbrennweite (wenn möglich mit Blendenzahlen bis zu 1.8/1.4) immer noch am besten geeignet, um Menschen ins rechte Licht zu setzen. 2 der wichtigsten Gründe die für Festbrennweiten sprechen sind für mich die Lichtstärke und die Möglichkeit mit der Tiefenschärfe zu „spielen“.



Starten wir jetzt bei den Kleinsten. Den Neugeborenen. Hier empfehle ich immer die Location in die gewohnte Umgebung des Kindes zu verlegen. Dabei gibt es einiges zu beachten: Man sollte viel Zeit mitbringen, Geduld haben und Pausen einberechnen. Ausserdem ist eine gute Belichtung sehr wichtig. 
Idealerweise sollte das Shooting tagsüber stattfinden und ein Raum mit viel Tageslicht zur Verfügung stehen.
Ich empfehle, die Umgebung in weiß zu halten, weiches Licht zu nutzen und auf harte Kontraste zu verzichten. Alles andere hängt vom Kind ab. Wobei auch die Eltern eine große Rolle spielen. Denn eine gute Vorbereitung der Eltern ist oft schon die halbe Miete.



Grundsätzlich ist es sehr wichtig, sich im Voraus ein paar Gedanken zu machen. Im Idealfall in Absprache mit den Eltern bzw. den Menschen die sich fotografieren lassen. Solltet ihr die Bilder die bei einem Shooting entstehen auch online veröffentlichen wollen, ist eine unterschriebene Genehmigung zur Veröffentlichung unbedingt notwendig. Beispiele dazu gibt’s im Internet massenweise.
Das gilt übrigens nicht nur für die Kinderfotografie sondern für sämtliche Bereiche aus der Menschenfotografie.




Ein sehr dankbares Motiv sind Kinder und Familien. Hier ist man flexibel und kann durchaus auch Outdoor shooten. In meinen Augen ist die Outdoor-Location gar nicht immer so wichtig. Beim klassischen Portraitshooting soll der Hintergrund eine untergeordnete Rolle spielen. Denn nur so kann man sich ganz gezielt auf das eigentliche Motiv konzentrieren. Und sollte es dann an einem vereinbarten Termin tatsächlich mal regnen, heißt das noch lange nicht, dass der Fotograf absagen muss. Bei leichtem Regen hilft ein Plastikbeutel über der Kamera, bei starkem Regen kann die Flucht in das gewohnte Umfeld der abgelichteten Person(en) helfen. Denn auch die sogenannten „Homeshootings“ können durchaus reizvoll sein…



Ich versuche bei meinen Shootings so wenig wie möglich Anweisungen zu geben. Kinder sollte man einfach mal „machen“ lassen. So entstehen die natürlichsten Aufnahmen.
Auch bei Familien ziehe ich mich immer ein bisschen zurück und warte was sich entwickelt. Die Erfahrung zeigt, dass während der ersten 20 Minuten die Anspannung am größten ist. Danach wird’s einfacher…



Wenn die Models dann erwachsen werden, wandlungsfähig und motiviert, dann wird’s noch ein bisschen einfacher. Auch hier ist es sehr wichtig, das Shooting Thema vorab zu besprechen. Kleidungsstücke, Make up, Accessoires usw. sollten vorher schon feststehen. Hier hat man auch wieder die Wahl ob es einen ins Studio oder in die freie Natur zieht.

Wer sich kein eigenes Studio leisten kann, dem empfehle ich im Internet nach einem Mietstudio in der näheren Umgebung zu suchen. Die gibt es zahlreich und sie sind bezahlbar.
Nach einer kleinen Einweisung fühlt man sich spätestens nach dem dritten Studioshooting schon wie ein Profi ;-)



Da sind wir dann auch schon bei der Bezahlung. Ebenfalls ein wichtiger Punkt über den man sich im Vorhinein einigen sollte. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:
TFP – Time for Prints – soll heißen: weder Fotograf noch Model haben Kosten bzw. treten ohne Honorar bei einem Shooting an. Die Bilder dürfen dann von beiden Parteien verwendet werden. Hilfreich ist außerdem ein entsprechender Vertrag der vorher von beiden Seiten unterzeichnet wird. Darin sind wichtige Details wie die Anzahl der Bilder, Bildrechte, Kontaktdaten usw. enthalten. 
Natürlich kann ich als Fotograf ein Model buchen und bezahlen. Ebenso wie andersrum, der Fotograf wird gebucht und bezahlt.



Im Normalfall erhalten die fotografierten Personen eine Auswahl an ca. 5-7 bearbeiteten Bilder pro Shooting-Stunde auf CD zur freien Verwendung.
Dies ist allerdings nur ein grober Richtwert und hängt von den Umständen während des Shootings ab.



Ganz grundsätzlich gilt: Wer einmal ein erfolgreiches Shooting mit zufriedenen „Motiven“ hinter sich gebracht hat, braucht sich im Normalfall über Folgeaufträge keine Gedanken mehr machen. Ich empfehle für den Anfang einfach mal im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis zu „testen“. Da ist der Druck geringer und man kann sich an die Situation erstmal gewöhnen. Und wenn alle Beteiligten zufrieden mit den Fotos sind, funktioniert die „Mund-zu-Mund-Propaganda“ gerade im Bereich der Fotografie hervorragend und die ersten Aufträge kommen ganz sicher irgendwann. So sind alle meine Shootings ohne groß Werbung zu machen zustande gekommen. Und das sind mittlerweile sicher auch knapp 100…




Text und Bilder: © Markus Kuhn

 
Markus Kuhn ist Mitte 30 und Vater von zwei kleinen Kindern. Er lebt in einem Örtchen zwischen Ulm und Stuttgart und betreibt seit ca. einem Jahr einen Fotoblog. Ganz bewusst fotografiert er jetzt seit ca. acht Jahren. Zu seinen Lieblingsmotiven gehört definitiv der Mensch in den verschiedensten Lebensabschnitten. Vom Neugeborenen über Hochzeiten bis hin zu „Mehr-Generationen-Familienbildern“ reizt ihn einfach jeder Bereich. Aber auch die Natur- und Streetfotografie hat ihren festen Platz auf seinem Blog.
 

Vielen Dank, Markus, für diesen tollen Beitrag. 

Wer sich über das Rechtliche in der Fotografie informieren möchte, kann gerne mal in den Artikel zum Fotorecht reinschauen.

Und wer Lust hat, für Konnexium Kompilation auch mal einen Gastartikel zu schreiben, findet alle Infos dazu hier: Themen für Gastartikel.






Kommentare:

  1. Wow, ich fühle mich ja fast schon geehrt ;-) Du hast die Bilder ganz wunderbar in den Text mit eingebunden. Tausend Dank das ich die Möglichkeit bekommen hab, ein Teil von Deinem Blog zu werden...
    lg Markus

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    1. Ich habe zu danken, dass du meinen Blog mit deinem tollen Beitrag unterstützt. :)

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  2. Hallo Markus, wo man dich überall findet...
    Ich fotografiere Menschen gerne, aber eigentlich nur im Familienkreis. Im Studio war ich einmal zu Studentenzeiten, da haben wir uns gegenseitig fotografiert. Ansonsten hätte ich auch bei Probeschootings zu Beginn immer das Gefühl nicht das richtige ablichten zu können, zumal man was Ausleuchtung/Lichtführung, Schärfe von Nase bis Auge usw. ja vorher alles drauf haben sollte.
    Aber das ist wahrscheinlich auch der Grund für die grundverschiedenen Interessen unter uns Fotografen. Spannend.
    Toller Bericht, schön bebildert. Macht Lust darauf, es einfach mal auszuprobieren.
    Jörg von Dosenkunst

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